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Weinlese 2018 auf Ornellaia

Nach den Herausforderungen des Frühjahrs verbesserten sich die klimatischen Bedingungen während des Sommers ganz klar bis hin zu einem fast perfekten Klima während der Lesezeit. Mit einem eher herbstlichen als sommerlichen Touch lag deren Schwerpunkt zwischen Ende September und Anfang Oktober.  Ganz zu Anfang schien 2018 kein besonders vielversprechender Jahrgang zu werden, zeigte dann aber doch eine beeindruckende Farbe, eine ungewöhnliche Aromenvielfalt mit unglaublich frischen, reintönigen und vibrierenden Noten, die den Charakter jeder Rebsorte perfekt widerspiegeln. Die Tannine sind bereits jetzt raffiniert und seidig ohne kantig zu sein, die Säure ist schön ausbalanciert. Die Weißen sind bouquetbetont und mit mäßigem Säuregehalt insbesondere bei Sauvignon und Viognier. Der später gelesene Vermentino präsentiert sich sehr vielversprechend mit einem Aroma von gelben Früchten und weißen Blüten fast wie aus dem Bilderbuch. In den letzten Jahren zeigte sich Mutter Natur von einer sehr launischen Seite, so als ob sie den Wein und seine Jahrgänge Achterbahn fahren lassen wolle. Nach der Hitze und Trockenheit des Jahres 2017, in perfektem Einklang mit der globalen Erderwärmung, erwies sich 2018 als eines der regenreichsten Jahre des letzten Jahrzehnts, bis auf den sonnigen Herbst während der Lesezeit. Nach einigen Jahren, in denen wir den Winter fast vergessen hatten, brachte 2018 uns eine gewisse Normalität der Klimabedingungen zurück mit einer Anzahl von Frosttagen. Diese reichten aus, um die Reben ihre verdiente winterliche Ruhephase beginnen zu lassen. Seit Jahren ist in Bolgheri sogar erstmals wieder einige Tage lang Schnee gefallen. Nach dem eindeutig trockenen Jahr 2017 sorgten die ergiebigen Niederschläge für eine Wiederauffüllung der Wasseradern. Fast während des ganzen Monats März war ein Regenrekord zu verzeichnen, es fiel die vierfache Menge des normalen saisonalen Durchschnitts. Dadurch verzögerte sich der Austrieb bis zur zweiten Aprilwoche.

Gleich anschließend folgte eine außergewöhnliche Wärme- und Trockenperiode, die ein explosionsartiges Wachstum der Knospen bewirkte und uns dazu zwang, all unsere Ressourcen einzusetzen, um die Arbeit in der festgesetzten Zeit zum Abschluss zu bringen. Im Mai wieder Regen in selten erlebter Menge und Häufigkeit. Während die Temperaturen zur Normalität zurückkehrten, stieg die Erkrankungsgefahr wieder an vor allem für Peronospera, was die Reben vor allem während der Wachstumsphase auf eine harte Probe stellte. Dank einer perfekten Organisation und der Maßnahmen, die wir an den wenigen trockenen Tagen durchführen konnten, war es möglich, die Krankheiten wieder unter Kontrolle zu bringen und die Gesundheit des Laubs und der Trauben zu erhalten. Die mit einem dichten Grasteppich begrünten Böden auf Ornellaia haben einmal mehr ihre großen Vorzüge gezeigt. Dadurch war es möglich, die Wuchskraft der Reben unter Kontrolle zu halten und der Boden konnte die exzessiven Wassermassen aufnehmen, so dass auch nach den Regenphasen schnell wieder im Weinberg gearbeitet werden konnte. Trotz des späten Austriebs ermöglichten die Klimabedingungen und das schnelle Wachstum der Knospen den Reben, ein Aufholen der Verzögerung durch eine Woche verfrüht einsetzende Blüte. In geringerem Umfang als im Mai aber in immer noch überdurchschnittlichem Maße fielen auch während des ganzen Monats Juni Niederschläge, wodurch die Bakterien aktiv und aggressiv blieben. Erst im Juli gönnte uns das Klima eine Pause mit einem warmen und trockenen Monat. Die Färbung setzte zwischen dem 22. und dem 25. Juli ein, bevor die Reben ihr Wachstum einstellten. Die Farbe der Trauben änderte sich innerhalb weniger Tage und wir konnten eine große Heterogenität beobachten mit einer hohen Zahl rosafarbener Beeren neben anderen komplett grünen.

Ornellaia, Vendemmia 2004
© Guglielmo de‘ Micheli

Der August 2018 war genauso heiß wie der des Vorjahres aber leicht regnerischer mit einigen heftigen Gewittern um die Monatsmitte. Da davon nur die Bellaria-Weinberge betroffen waren und nicht die anderen Rebflächen des Gutes, führte das zu einem erheblichen Ungleichgewicht im Reifegrad der Trauben von Bellaria im Verhältnis zu denen der anderen Rebgärten. Zucker- und Säuregehalt entwickelten sich langsam, während die Beeren aufgrund der hohen Wassermengen im Boden größer wurden. Im September war es warm und trocken Die Temperaturen lagen über dem jahreszeitlichen Durchschnitt, aber die kälteren Nächte erlaubten den Trauben ein Aufholen und die Bewahrung von Aromen und Säure. In diesem Jahr war Frühdunst, der für die Gegend von Bolgheri nicht gerade typisch ist, hier ein häufiges Phänomen und gab der Lese einen deutlich herbstlichen Touch. Um die Traubengesundheit zu bewahren und ihnen die Möglichkeiten zu verschaffen, vom Wind zu profitieren, wurden die Blätter früher als sonst entfernt.

Die Lese begann gleich nach dem 15. August mit dem Sauvignon der „milleviti“ d.h. der tausend um die Rotweinrebgärten von Ornellaia verstreuten Rebstöcke. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Flächen war sehr ausgeprägt und hat uns die längste Sauvignon-Lese der Ornellaia-Geschichte eingebracht, die am 13. September endete. Viognier wurde in den letzten Augusttagen geerntet und dann ging es Mitte September weiter mit Vermentino und Verdicchio.

Der Reifeunterschied der Trauben auf den verschiedenen Terroirs des Weinguts war deutlicher als in allen anderen Jahrgängen und war der Grund für eine lange Leseperiode vor allem beim Merlot, der vom 31. August bis zum 29. September geerntet wurde. Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot wurden ab dem 20. September gelesen. Nach einer kurzen Unterbrechung aufgrund eines Gewitters Anfang Oktober konnte die Lese auf den ältesten Cabernet-Rebflächen nach einigen trockeneren und windigen Tagen fortgesetzt werden. Im Keller gab es einige entscheidende Elemente, um das ganze Potenzial dieses Jahrgangs zum Ausdruck zu bringen. Im dritten Anwendungsjahr erwies sich die optische Selektion der Beeren wieder einmal als unersetzlich, um die nicht perfekt gefärbten auszusortieren und nur die homogeneren und reifen Trauben in die Bottiche gelangen zu lassen. Die Größe der Beeren erforderte eine häufigere „Saignée“ in den Bottichen. Um das ganze Tanninpotenzial des Jahrgangs zu erhalten und die Extraktion rauer und roher Tannine zu vermeiden, dauerte die Mazeration circa vier Wochen mit sanftem und nicht zu häufigem Umrühren, genau abgestimmt auf jede Partie dank unserer täglichen Verkostung.

 

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