Karl Kraus und die Wallenstein‑Stadt

Albrecht von Wallenstein (1583-1634) und der jüdische Dichter Karl Kraus (1874-1936), zwei sehr unterschiedliche historische Figuren deren Leben über den Böhmischen Ort Jičín definiert ist: eine Stadt, die zwischen barocker Machtinszenierung und böhmischer Provinzgeschichte oszilliert. Kraus stammt aus derselben Stadt, die Wallenstein zur Residenz erhob. Er wurde als Sohn eines jüdischen Papierfabrikanten in Jičín geboren. Die Familie zog 1877 nach Wien. Wallenstein machte Jičín im 17. Jahrhundert zu seiner Hauptresidenz. Bis heute ist die Stadt von dieser Epoche geprägt. Ihr langer Platz gibt die geometrische Ordnung wieder, die Wallenstein einst in Stein schreiben ließ: Arkaden wie strenge Gedanken, das Schloss wie ein Satzzeichen der Macht. In einer ihrer Seitenstraßen, unscheinbar, steht das Haus, in dem Karl Kraus geboren wurde. Eine Tafel an der Fassade verrät, dass hier einer zur Welt kam, der später die Sprache wie ein Skalpell führte. Die Stadt trägt Wallensteins Handschrift, doch Kraus – ein Kind der Provinz, das später die Weltstadt Wien mit böhmischem Staub an den Schuhen betrat. Jičín ist heute freundlich, fast heiter. Doch wer Kraus liest, spürt, wie weit er sich von dieser Geburtslandschaft entfernt hat. Und dennoch: Ein Ort, der einen Mann hervorbrachte, der später die Welt mit Worten erschütterte – und der doch nie zurückkehrte, um ihn zu würdigen. Jičín ist eine Stadt dessen Besuch sich lohnt. Weitere Informationen unter: visitczechia.com und czechtourism.cz.

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