
Der Wind kommt von der Simmeringer Haide her – und mit ihm jener eigentümliche Hauch von Stille, Melancholie und feinem Wiener Humor, der den Zentralfriedhof so unverwechselbar macht. Schon Wolfgang Ambros brachte dieses Lebensgefühl 1975 in seinem Lied „Es lebe der Zentralfriedhof“ auf den Punkt: „Wann’s Nocht wird über Simmering, kummt Leben in die Toten …“ Was bei anderen Orten vielleicht makaber wirken würde, wird hier zur liebevollen Hommage an einen Platz, an dem Tod und Leben auf sonderbare Weise nebeneinander bestehen. Ein Spaziergang über den Wiener Zentralfriedhof ist deshalb mehr als ein Gang zwischen Gräbern. Er ist eine Begegnung mit der besonderen Wiener Vertrautheit mit der Vergänglichkeit – einer Haltung, die den Tod nicht verdrängt, sondern ihm mit Respekt, Gelassenheit und einem leisen Lächeln begegnet. Hier wird nicht geflüstert, hier wird leise gesprochen. Der Zentralfriedhof ist ein Ort der Toten, der die Lebenden beruhigt. Treffender als Ambros lässt sich diese Atmosphäre kaum beschreiben: „Am Zentralfriedhof is Stimmung, wia’s sei Lebtoch no net wor …“ Die Toten haben nichts mehr zu verlieren. Ihre Worte sind frei.



